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Jüdische Vereine und Athleten in der NS-Zeit

Publikation beleuchtet ein vergessenes Kapitel der Sportgeschichte…

Sport im Abseits: Die Geschichte der jüdischen Sportbewegung im nationalsozialistischen DeutschlandMit der sogenannten Machtergreifung der Nationalsozialisten begann die Ächtung der jüdischen Sportler. Sie wurden ausgegrenzt, ihnen wurde nahegelegt die Vereine zu verlassen oder sie wurden kurzerhand ausgeschlossen. Die jüdischen Athleten waren daher notgedrungen gezwungen, sich in eigenen Vereinen und Verbänden zu organisieren.

Welche außerordentliche Bedeutung die jüdische Sportbewegung in der Zeit zwischen 1933 und 1939 für das Alltagsleben der Entrechteten hatte, war lange Zeit eher ein Randthema der deutschen Historiografie, nur wenig ist darüber bekannt. Diese Lücke hat nun der Sporthistoriker Henry Wahlig mit einem Buch „Sport im Abseits“ geschlossen. Damit hebt der wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hannover das jahrzehntelange Abseits dieses äußerst interessanten Kapitels der hiesigen Geschichtsschreibung gewissermaßen auf.

Nicht nur bei den Historikern war die Vorstellung vom jüdischen Leben unter dem Nationalsozialismus oft geprägt vom Bild eines hilflosen und sich fügenden Opfers. „Dass Juden auch in dieser Zeit extremer äußerer Verfolgung weiter einen ,normalen‘ Alltag aufrecht erhielten, in dem sie Ablenkung, Optimismus und Freude suchten, ist in unserer Perspektive vielfach aus dem Blickfeld geraten“, diagnostiziert Henry Wahlig treffend in seinem Vorwort. Der jüdische Sportverein war nicht nur für die „heimatlos“ gewordenen Athleten einer der wichtigsten Zufluchtsorte. Man wollte mit den sportlichen Aktivitäten einerseits der nationalsozialistischen Propaganda vom angeblich körperlich schwachen Juden begegnen, andererseits verstand man den Sport aber auch als Instrument im Kampf um Identität und Würde in einer isolierten aber auf sozialer Hilfe basierenden Gemeinschaft. Bis Mitte der 1930 Jahre wurden über 50.000 Mitglieder gezählt. Damit gehörte der organisierte Sport zu einer der zahlenmäßig größten jüdischen Organisationen im nationalsozialistischen Deutschland.

Nach einer sachkundigen Einführung in die Geschichte der jüdischen Sportbewegung vor 1933 beleuchtet der Autor die Ausgrenzung der Juden, beschreibt differenziert die Entwicklung des jüdischen Sports vor und nach der Olympiade von 1936, untersucht das Verhältnis der beiden miteinander konkurrierenden Verbände Makabi und Schild und widmet sich ausführlich der Rolle des Sports im NS-Alltagsleben, dessen Ende mit der Liquidation der Verbände und Vereine nach dem Novemberpogrom von 1938 eingeläutet wurde.

Makabi-Hallensportturnier 1936 in Frankfurt/Main

Makabi-Hallensportturnier 1936 in Frankfurt/Main

Mit seiner anspruchsvollen Arbeit will Wahlig den Zehntausenden von jüdischen Sportlern ein Denkmal setzen und ihnen einen würdigen Platz „im Gedächtnis des deutschen Sportes als „elementaren und gleichberechtigten Teil der Sportgeschichte“ schaffen. Das ist ihm, mit seiner auf vielen erstmals ausgewerteten Quellen, insbesondere zeitgenössische jüdische Periodika und Archivalien aus israelischen Archiven, in bemerkenswerter Weise gelungen. Summa summarum ein spannender, informativer und gut geschriebener Band – nicht nur für die Fachwelt! (jgt)

Henry Wahlig, Sport im Abseits. Die Geschichte der jüdischen Sportbewegung im nationalsozialistischen Deutschland, Göttingen 2015, 264 S., 24,90 €, Bestellen?

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