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Zeilsheim – Eine jüdische Stadt in Frankfurt

„Wir werden einen neuen Juden schaffen, einen neuen Menschen schaffen, der weiß, dass einem die Freiheit nicht geschenkt wird, sondern erkämpft werden muss“ (S. 97). Der letztes Jahr verstorbene Historiker und Publizist Arno Lustiger erinnerte sich noch lebhaft an diese Worte von Ben Gurion im Oktober 1946 im Frankfurter DP-Lager Zeilsheim…

Zeilsheim – Eine jüdische Stadt in Frankfurt

Lustiger hatte dort Zuflucht gefunden, machte dort erste journalistische Erfahrungen als Redakteur der Lagerzeitungen Undzer Mut und Unterwegs. An die Geschichte dieses nahezu unbekannten, von 1945-1948 bestehenden DP-Lagers erinnert der Nürnberger Historiker Jim G. Tobias mit einer gut recherchierten, lebendig bebilderten, kompakten und lesenswerten Studie.

Im August 1945 entstand in Frankfurt am Main ein großes DP-Lager, mit „weit über 3.000“ größtenteils aus Osteuropa stammenden „jüdischen Männern, Frauen und Kindern“ (S. 8). Zeilsheim war nur als Übergangslösung gedacht; der allergrößte Teil der Überlebenden wollte nach Palästina auswandern, was ihnen wegen der restriktiven Einwanderungspolitik der britischen Mandatsregierung lange verunmöglicht wurde. Detailliert rekonstruiert Tobias das soziale Leben in Zeilsheim, den schwierigen Neuanfang, ermöglicht dank internationaler Unterstützung von UNRRA-Teams sowie der amerikanisch-jüdischen Wohlfahrtsorganisation Joint.

Die Bewohner Zeilsheim entwickelten ein eigenes Ordnungswesen, einschließlich einer jüdischen Polizei – die Beziehungen zu den deutschen Sicherheitskräften war problematisch. Es entstand ein Kinderhaus, eine Jeschiwa und eine Volksschule. Fächer waren „Hebräisch, jüdische Geschichte, Erdkunde, Rechnen, Palästinografie sowie Kunst und Musik“ (S. 55). Es entstand eine Blechwerkstatt, eine Schneiderei, eine Schuhmacherei, landwirtschaftliche Ausbildungsplätze, ein umfassendes medizinisches Versorgungssystem sowie zahlreiche Sportvereine.

Der vierjährige Salomon Korn (r.) und sein Cousin Leo im August 1947 in Zeilsheim
Der vierjährige Salomon Korn (r.) und sein Cousin Leo im August 1947 in Zeilsheim. Foto: Privatarchiv Salomon Korn

Am 15.11.1948 wurde das DP-Lager Zeilsheim geschlossen. Viele Bewohner wanderten in den soeben gegründeten Staat Israel aus. Manche suchten eine Zukunft in den USA, Kanada oder Australien. Einige blieben in Frankfurt – hierunter Arno Lustiger, Batia Kaminer, Rosa Orlean und die Familie Salomon Korns – und schlossen sich der dortigen Jüdischen Gemeinde an: „Wir lebten bis etwa 1948 im DP-Camp Zeilsheim und zogen von dort nach Frankfurt“, erinnert sich der damals fünfjährige Salomon Korn“ (S. 114).

Dem Buch ist eine CD mit ehemaligen DPs aus Zeilsheim beigefügt, die im Schulunterricht einsetzbar ist.

Rezension von Roland Kaufhold

Jim G. Tobias, Zeilsheim. Eine jüdische Stadt in Frankfurt, Antogo Verlag 2011, 141 S., 29 Abb. schw.-w., incl. 1 DVD, Euro 16,50, Bestellen?
Inhaltsverzeichnis und Vorwort

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