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„In dieser Hölle haben wir fünf Jahre verbracht…“

Neue Publikationsreihe des International Tracing Service (ITS) startet. Dabei berichten Überlebende aus dem „Zigeunerlager“ Lackenbach…

Stimmen der Überlebenden des "Zigeunerlagers" Lackenbach

Überlebende des „Zigeunerlagers“ Lackenbach berichten…

„Ich wurde am 11. November 1944 im ‚Zigeunerlager’ Lackenbach geboren, schreibt der Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma, Rudolf Sarközi, im Vorwort der Broschüre Fundstücke. Stimmen der Überlebenden des „Zigeunerlagers“ Lackenbach. Ein Großteil der Verschleppten wurde in den NS-Todesfabriken umgebracht. Als die Rote Armee das „Zigeunerlager“ im April 1945 befreite, lebten dort noch etwa 300 bis 400 Menschen. Darunter Rudolf Sarközi und seine Eltern.
Fast 50 Prozent der österreichischen Roma und Sinti wurden ab 1940 in Lackenbach, auf einem Gutshof im Burgenland, unweit der Grenze zu Ungarn, interniert. Aufgrund der mangelnden Hygenie und der schlechten Ernährung starben Hunderte, ihre Leichen verscharrte man auf einem nahegelegenen jüdischen Friedhof.

Unterlagen aus dem Archiv des Internationalen Suchdiensts in Bad Arolsen dokumentieren die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma während des NS-Regimes. Die Akten belegen aber auch, wie die Täter und Helfershelfer des Genozids nach 1945 ihre Karrieren in Österreich und Deutschland unbehelligt fortsetzen konnten. Etwa Robert Ritter, der als Leiter des „Rassehygenischen Instituts“ mehr als 20.000 „Zigeuner“ rassisch begutachtet hatte, arbeitete ab 1947 für das Jugendamt der Stadt Frankfurt und betätigte sich weiterhin in der „Zigeunerforschung“.

Die Überlebenden Sinti und Roma musste dagegen Jahrzehnte um ihre Anerkennung als NS-Verfolgte kämpfen – sie galten weiterhin als „asozial und arbeitsscheu“ und somit zurecht inhaftierte Bevölkerungsgruppe. Ihre Diskriminierung endete auch nach 1945 nicht, wie beispielsweise die zunächst als „Zigeunerstelle“, später als „Landfahrerstelle“ bis in die 1970er Jahre bestehende Abteilung des Bayerischen Landeskriminalamtes zeigt. Das österreichische „Zigeunerlager Lackenbach“ wurde erst 43 Jahre nach dem Krieg einem Konzentrationslager gleichgestellt.

Mit dem ersten Band der Reihe „Fundstücke“ will der ITS Verfolgten eine Stimme geben und wenig bekannte, aber historisch bedeutsame Zeugnisse aus den Jahren des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit der Öffentlichkeit vorstellen. Dabei sei es auch beabsichtigt, Bezüge zur Gegenwart herauszustellen, wie Susanne Urban, Herausgeberin der Reihe und Leiterin der Abteilung „Forschung und Bildung beim ITS“, unterstrich. Denn: „Europa hat offenbar noch immer nicht gelernt, Antiziganismus zu ächten und gegen diese gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit vorzugehen“. (jgt)

Susanne Urban u. a. (Hg.), Fundstücke. Stimmen der Überlebenden des „Zigeunerlagers“ Lackenbach, 48 Seiten, 9,90 €, Bestellen?

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