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Theodor Herzls Philosophische Erzählungen

Der Begründer des politischen Zionismus ist vor allem für ein literarisches Werk bekannt. In „Altneuland“ entwarf Theodor Herzl seinen Judenstaat bis ins kleinste Detail und prägte die berühmte Formel: „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen“. Die Übersetzung ins Hebräische gab der Stadt „Tel Aviv“ ihren Namen…

Dass Herzl jedoch viel mehr geschrieben hat, ist weniger bekannt. Obwohl seine Leidenschaft schon früh dem Schreiben galt, hatte Herzl in Wien Jura studiert und 1884 mit einer Promotion abgeschlossen. Über seine Referendarszeit in Salzburg hielt er in seinem Tagebuch fest: „Natürlich schrieb ich mehr für das Theater als für das Gericht“. Bald musste er jedoch feststellen, dass die Berufsaussichten für Juden in seinem Fach wenig Spielraum ließen. Er verlegte sich daher ganz aufs Schreiben und verfasste eine Serie von Feuilletons, die ihm schließlich die Tür zu einer der bedeutendsten europäischen Tageszeitungen, der „Neuen Freien Presse“, öffneten. Herzl verfasste zudem zahlreiche Theaterstücke, die teilweise beachtlichen Anklang fanden und sowohl im Wiener Burgtheater als auch in Berlin aufgeführt wurden.

Neben den Theaterstücken verfasste Herzl zahlreiche kurze Erzählungen. Unter dem Titel „Philosophische Erzählungen“ erschien eine Sammlung im Jahr 1900, die jetzt von Carsten Schmidt neu herausgegeben wurde. Sie enthält Texte, die zwischen 1887 und 1900 entstanden und, auch wenn sie das Adjektiv „philosophisch“ nicht wirklich verdient haben, lesenswert und kurzweilig sind. Gemeinsamer Nenner der Geschichten ist der innere Wandel als Anstriebsmotor, was für das Verständnis von Herzls eigenem Weg zum Zionismus von Bedeutung ist. Zu den bekannteren Erzählungen gehört neben „Solon in Lydien“, „Das Wirtshaus zum Anilin“ und „Das denkbare Luftschiff“. Viele Motive von Herzls Interessen kehren auch in diesen Geschichten ein.

In ihrer Einführung fasst Hanni Mittelmann, Professorin für deutsche Literatur an der Hebräischen Universität Jerusalem, zusammen: „Diese Erzählungen werden zu Allegorien von Herzls eigenem Wandel vom richtungslosen, egozentrischen jungen Journalisten, dessen einziger Ehrgeiz es war, als „deutscher Schriftsteller“ zu Ruhm zu kommen, zum altruistischen Schöpfer der zionistischen Bewegung, mit der er der Not des jüdischen Volkes ein Ende setzen wollte.“

Theodor Herzl, Philosophische Erzählungen. Hrsg. v. Dr. Carsten Schmidt mit einem Vorwort von Prof. Hanni Mittelmann, Lexikus Verlag 2011, Euro 19,90, Bestellen?

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