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Quellentexte: Der Höxter als Neuauflage

Das Judentum gilt als die älteste monotheistische Weltreligion. Gegenwärtig sind ca. 13 Millionen Menschen jüdischen Glaubens. Lebendige jüdische Gemeinden sind in allen Teilen der Erde anzutreffen. Jüdische Geschichte, Literatur und Lebensformen gehören als lebendige Ausdrucksformen des immensen schöpferischen Beitrags der jüdischen Religion zu den bleibenden Errungenschaften der Geistes- und Kulturgeschichte der Menschheit…

Michael Tilly

Gerade in Deutschland gehört das Judentum zu den grundlegenden Faktoren bei der Entstehung der eigenen — von den Nationalsozialisten aufgegebenen — Zivilisation und Kultur. Ohne das Verständnis des Judentums bleibt — nicht nur — das Verständnis der gesamten deutschen Geschichte unvollständig.

"Der Höxter" gilt seit seinem Erscheinen als ein bedeutendes Standardwerk für die umfassende Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte, Literatur und Kultur. Die zwischen 1927 und 1930 erstmals veröffentlichte systematische Quellensammlung des jüdischen Frankfurter Lehrers und Schriftstellers Dr. Julius Höxter enthält zahlreiche wesentliche und beispielhafte Zeugnisse des vielfältigen inneren Lebens und der bewegten äusseren Geschichte des Judentums von seinen biblischen Anfängen bis zur Gegenwart des Verfassers.

Enthalten sind sowohl vollständige jüdische und nichtjüdische Dokumente und Urkunden als auch Ausschnitte aus umfangreichen Werken in wortgetreuer und sinngemässer deutscher Übersetzung.

Der eigentliche Anlass dieser Sammlung von charakteristischen und wesentlichen Quellenstücken aus weit über zwei Jahrtausenden jüdischer Glaubensgeschichte bestand in der Darbietung von lehrreichem Anschauungsmaterial für den schulischen Unterricht in der jüdischen Geschichte und Literatur. Höxters Quellensammlung gelingt es bis heute, die Vergangenheit aus der Geschichte herauszuholen. Sie ermöglicht Verständnis und Toleranz und steht dabei zugleich im Kontext einer langen Tradition, die die Existenz des Judentums in seiner religiösen und kulturellen Dimension an Bildung und Erziehung knüpft. In den Konturen des jüdischen Unterrichts spiegeln sich jüdische Geschichte und Kultur. Lernen und Lehren gehören zur kulturellen Identität des Judentums und haben von alters her tragende Bedeutung für seinen Fortbestand. Dies war auch dem nationalsozialistischen Staatsapparat bewusst, der im Juni des Jahres 1942 jeglichen Unterricht für jüdische Kinder untersagte.

Julius Höxter wurde 1873 im hessischen Treysa geboren. Er beendete sein Studium der Geschichtswissenschaft mit einer verfassungsgeschichtlichen Doktorarbeit über "Die Vorgeschichte und die beiden ersten Jahre des "immerwährenden " Reichstags zu Regensburg" (Heidelberg 1901). Nach Absolvierung des Lehrerseminars in Hannover wirkte er zunächst als Lehrer in der westfälischen Stadt Ahlen. Im Jahre 1904 kam er nach Frankfurt/Main, wo er seine engagierte pädagogische Arbeit an der Religionsschule der Israelitischen Gemeinde, dem Goethe-Gymnasium und dem Wöhler-Realgymnasium im Frankfurter Stadtteil Westend fortsetzte. Zu den Absolventen der letztgenannten Lehranstalt während der Zeit seiner Lehrtätigkeit gehörten der Philosoph und Sozialpsychologe Erich Fromm (1900—1980; Abitur 1918) und der Schriftsteller und Nobelpreisträger für Literatur Elias Canetti (1905—1994; Abitur 1923).

Auch neben seiner schulischen Arbeit betätigte sich der umtriebige jüdische Gelehrte in umfänglicher Weise. Im Jahre 1922 beteiligte sich Höxter an der Gründung des "Jüdischen Beamtenbundes", der die rechtliche und wirtschaftliche Stellung der jüdischen Gemeindeangestellten zu sichern suchte. Daneben gründete er die Frankfurter "Vereinigung israelitischer Religionslehrer und -lehrerinnen", der er bis 1937 vorstand. Die von ihm initiierte "Dr. Julius Höxter-Stiftung" diente der Prämierung und Förderung von wissenschaftlichen und methodischen Arbeiten, Lehrbüchern und Lehrmitteln.

Höxter beteiligte sich ebenso aktiv am Gemeindeleben der reformorientierten Frankfurter Israelitischen Gemeinde, der bis 1933 mehr als 30.000 Mitglieder angehörten. So wirkte er über lange Jahre als Vorsteher und Leiter des konservativen Gottesdienstes an den hohen Feiertagen in der 1893 erbauten und in der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 verwüsteten Westend-Synagoge in der Unterlindau 23. Höxter gelang im Jahre 1939 die Emigration nach England, wo er im Jahre 1944 im Alter von 71 Jahren starb.

Höxters umfassende Textsammlung wird in dieser Neuausgabe des Marix-Verlags erstmals durch eine Auswahl zentraler Dokumente aus der neuesten Zeit erweitert und durch aktuelle Literaturangaben ergänzt. Die Rechtschreibung wurde behutsam aktualisiert.

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Quellentexte zur jüdischen Geschichte und Literatur
Von Julius Höxter

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