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Sind Sie sicher?

Bereits im Jahr 2013 ist im SWB- erlag Stuttgart das Buch von Thomas Schwandt „ Geheimloge D“ erschienen. Der gelernte Wirtschaftsjournalist führt zurück in die jüngste deutsche  Vergangenheit genau ins Jahr 1998. Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Realität und Fiktion…

Von Max Brym

Im Roman agiert eine von einem erfolgreichen Investmentbanker gegründete „Geheimloge D“. Diese Loge bestehend aus Bänkern, Industrievertretern und Rechtsanwälten und will sich die Wechselstimmung gegen Helmut Kohl zugunsten von Gerhard Schröder (im Roman hat er den Namen Schreyer) zunutze machen. Die „ Loge“ setzt auf den durchsetzungsfähigen „Machtmenschen“ Schröder. Ziel des Bundes ist es, die „parlamentarischen Abläufe“ zu beschleunigen. Der „Stillstand“ soll überwunden werden. Die Verschwörer gehen davon aus, dass es in der Zeit verschärfter Konkurrenz keine Zeit mehr für langwierige parlamentarische Debatten gibt. Dem Kandidaten der SPD wird zugetraut, den Finanzmarkt zu liberalisieren und „sozialen Ballast“ abzuwerfen. Offen wird daran gearbeitet, dem machtbewussten Kandidaten mit „diktatorischen Vollmachten“ auszustatten.

Allerdings soll er am Tropf der Geheimloge D hängen. Dazu wird Erpressungsmaterial gesammelt. Der Kandidat wird beim Ehebruch fotografiert. Es taucht nur das Problem auf, dass sich der Pressesprecher eines großen Automobilkonzerns gegenüber seinem ehemaligen Journalistenkollegen Sassen verplappert. Dieser arbeitete an einer Reportage über rechte Gewalt von Polizisten gegen Emigranten. Im Rahmen der Recherche interviewt der Journalist einen Hamburger Profianwalt. Dieser ist ein Anhänger von Richter Gnadenlos ( Ronald Schill) und ebenfalls Mitglied des „Geheimbundes“. Immer deutlicher wird dem Journalisten die „Verschwörung“. Der Journalist gelangt in den Besitz des Strategiepapiers des Geheimbundes. Kurz vor der Bundestagswahl wird der Journalist durch einen bewusst herbeigeführten Autounfall beseitigt.

Fiktion und Realität

Im Roman geht es um eine Verschwörung gegen die Demokratie in Deutschland. Bei aller Skepsis gegen hirnlose Verschwörungstheorien gab und gibt es reale Verschwörungen. Es ist das Recht eines Romanautors mit Verschwörungen zu spekulieren. Noch dazu wenn sie auch in der Realität immer wieder vorkommen. In Italien flog vor Jahren eine Geheimloge, ein Netzwerk aus Bankiers-Industriellen und Politikern auf. Es gibt auch viel reales Material gegen die NATO Geheimarmee „GLADIO“. Der NSU Prozess in München deckt für jeden, der hören und lesen kann,  die Involvierung des Verfassungsschutzes in den rechten Terror auf.

Neben der spannenden Handlung im Roman von Schwandt ist immer wieder sein konkreter Bezug auf die Interessen des Bank- und Industriekapitals im Jahr 1998 interessant. Es gab damals real gerechnet 5 Millionen Menschen ohne Arbeit in Deutschland. Die Vulkan Werft ging Pleite nachdem sie die ostdeutsche Wertindustrie zerstörte. In der Tat setzten damals mit und ohne Geheimloge D maßgebliche Vertreter der Industrie und Bankwelt auf den „Genossen der Bosse“ Gerhard Schröder. Ihm wurde es mit seinem „Basta Stil“ eher zugetraut, das Investmentbanking in Deutschland zu forcieren, sowie mittels massiver Marktliberalisierung öffentliches Eigentum zügiger als Helmut Kohl zu privatisieren. Damals war Schröder wirklich der Kandidat der Industrie und Bankwelt. Diese Darstellung in dem ansonsten sehr spannenden und prickelten Roman des Autors ist sehr real und lehrreich. Gleichzeitig ist aus dem Roman zu lernen wie wenig sich demokratische Debatten und Abläufe mit dem „handlungsorientierten“ angeblich -alternativlosen Marktfundamentalismus- vertragen.  Ob es eine reale Verschwörung 1998  gab lässt der Autor mit einem berühmten Filmzitat ausklingen. „Sind Sie sicher“.

Thomas Schwandt, Geheimloge D, Südwestbuch Verlag 2013, Euro 12,50, Bestellen?

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