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Mehr als Steine

Vor einigen Wochen erschien im Kunstverlag Josef Fink der Synagogen-Gedenkband Bayern III/1 des Gedenkbuches der Synagogen in Deutschland, begründet und herausgegeben von Meier Schwarz, Synagogue Memorial Jerusalem…

Israel Schwierz

Nach einer Seite, in denen die zahlreichen Förderer des Synagogen-Gedenkbandes Bayern aufgelistet sind, einer bewegenden Deutung von Max Fleischmann zum Titelfoto, Geleitworten des Regierungspräsidenten von Unterfranken, Dr. Paul Beinhofer, der Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg, Gisela Bornoswki, des Bischofs des Bistums Würzburg, Dr. Friedhelm Hofmann und des Gemeinderabbiners der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg, Jaakov Ebert, einem Inhaltsverzeichnis sowie einem Vorwort der Herausgeber Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff und Meier Schwarz folgt eine äußerst eindrucksvolle Einführung in die Arbeit durch den bekannten Journalisten und Kenner der unterfränkischen jüdischen Geschichte Roland Flade „Unterfränkische Juden – Teil der Gesellschaft“.

Die nächsten 833 Seiten der Arbeit sind dann den Jüdischen Gemeinden aus der Stadt und den heutigen Landkreisen Aschaffenburg (Aschaffenburg, Alzenau-Wasserlos, Goldbach-Hösbach, Großostheim, Hörstein und Schöllkrippen), Main-Spessart (Adelsberg, Arnstein, Burgsinn, Gemünden, Heßdorf mit Höllrich, Homburg mit Erlenbach, Karbach, Karlstadt mit Karlburg, Laudenbach, Lohr mit Steinbach, Marktheidenfeld, Mittelsinn, Rieneck, Thüngen, Urspringen und Wiesenfeld), Miltenberg (Eschau mit Sommerau, Feschenbach/Reistenhausen, Kleinheubach, Kleinwallstadt, Klingenberg, Miltenberg und Wörth) und der Stadt und dem heutigen Landkreis Würzburg (Würzburg, Aub, Bütthard mit Allersheim, Estenfeld, Gaukönigshofen mit Acholshausen, Geroldshausen mit Kirchheim, Giebelstadt, Goßmannsdorf, Heidingsfeld, Höchberg, Oberaltersheim und Unteraltertheim, Reichenberg, Rimpar, Sommerhausen, Tauberrettersheim und Veitshöchheim) gewidmet, wobei bei jeder jüdischen Gemeinde nicht nur die „steinernen Zeugnisse“ ihrer Existenz – also die früheren oder heute noch vorhandenen Synagogengebäude, jüdischen Schulen, Lehrerwohnungen, Mikwaot, sonstigen offiziellen oder auch privaten jüdischen Bauwerke und die Friedhöfe mit Taharahallen sehr gründlich und beeindruckend in Bild und Wort dokumentiert werden, sondern darüber hinaus auch die Geschichten der jeweiligen jüdischen Gemeinde von ihrer Entstehung bis zu ihrem Ende (in Würzburg von der Wiederentstehung 1945 bis heute) und zusätzlich noch – ebenfalls in Wort und Bild – die Lebensläufe und wichtigen Ereignisse im Leben zahlreicher Mitglieder und Persönlichkeiten der dokumentierten jüdischen Gemeinden. Die vielschichtige Dokumentierung jeder einzelnen Kultusgemeinde wird übrigens stets durch eine Übersicht über die Anzahl der jüdischen Einwohner in den Jahren von der Entstehung bis zum Ende der Gemeinde, eine Literaturangabe, eine Übersicht über die benutzten Archivalien und eine umfassende Auflistung der Anmerkungen streng wissenschaftlich ergänzt. Eine umfassende Übersicht über die verwendete Allgemeine Literatur, eine Auflistung der allgemeinen Online-Ressourcen, ein Abkürzungsverzeichnis, ein umfangreiches und äußerst gründlich erarbeitetes Glossar der hebräischen und jiddischen Fachausdrücke sowie ein Orts- und Personenregister und eine Gedenkseite schließen diese einmalige Arbeit harmonisch ab.

Für den zweiten der beiden Unterfrankenbände wird übrigens bereits recherchiert. Er wird die Synagogen und Gemeinden der Stadt-und Landkreise Bad Kissingen, Hassberge, Kitzingen, Rhön-Grabfeld und Schweinfurt umfassen, soll in etwa vier Jahren erscheinen und wird den Synagogengedenkband Bayern abschließen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte die äußerst erfreuliche Tatsache, dass die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern der Hauptsponsor des Projekts ist, dass die Federführenden unter den Herausgebern – Prof. Dr. Wolfgang Kraus und Prof. Dr. Gury Schneider-Ludorff –sowie drei der Mitarbeiter ihr als Pfarrer und Theologen eng verbunden sind und dass das Projekt eine der Bemühungen der Landeskirche darstellt, den Beschluss ihrer Landessynode, das Verhältnis der Kirche zu den Juden auf eine neue Grundlage zu stellen, zu konkretisieren.

Sowohl den Herausgebern als auch den Mitarbeitern an diesem Band des Synagogen-Gedenkbandes Bayern ist es dank ihrer überaus großen Hingabe und ihrer enormen und bewundernswerten Arbeitsleistung gelungen, nicht nur den ausgelöschten jüdischen Gemeinden der vier dokumentierten heutigen unterfränkischen Landkreise, sondern darüber hinaus auch noch ihren ermordeten bzw. verstorbenen Mitgliedern ein bleibendes, ewiges Gedenken zu bereiten. Dafür gebührt ihnen allen tiefster Dank und höchste Anerkennung all‘ jener Menschen, denen der ehrliche Umgang mit der Geschichte ihrer unterfränkischen Heimat ein Herzensanliegen ist.

MEHR ALS STEINE …“ – SYNAGOGEN-GEDENKBAND BAYERN, BAND III/1, Unterfranken – Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber mit einem Beitrag von Roland Flade.
Herausgegeben von Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid und Gury Schneider-Ludorff in Verbindung mit Meier Schwarz, 1. Auflage 2015, ISBN 978-3-89170-449-6

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