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„Ich hoffe und glaube, dass ich den Frieden noch erlebe“

Mit Verspätung, doch nicht minder aktuell sei auf einen schmalen Band im Mandelbaum Verlag verwiesen, der ein Interview mit Uri Avnery enthält, das Renata Schimdtkunz vom ORF anlässlich seines 85.Geburtstags mit ihm führte. Die Aussagen dieses Gesprächs sind auch heute noch das Credo eines ganzen Lebens, das vom Streben nach Frieden mit den palästinensischen Nachbarn und nach der Zwei-Staaten-Lösung seit dem Unabhängigkeitskrieg 1948 bestimmt ist…

Uri Avnery 2002 - (c) Frankziska Werners„Ein Krieg – jeder Krieg – erzeugt Hass. Und Verachtung. Und Stereotype. Und Vorurteile. Und Angst. Besonders Angst vor der anderen Seite. Aber in einem Krieg muß man Frieden machen. Man macht ja Frieden nach einem Krieg. Wen kein Krieg ist, braucht man auch keinen Frieden. Und darum ist Frieden machen so furchtbar schwer, weil man psychologische Hemmungen und Hindernisse überwinden muss.“

Uri Avnery ist ein ausgezeichneter Kenner der Geschichte und einer, der den größten Teil der israelischen Geschichte selbst miterlebt hat. Seine Biographie – von seiner Auswanderung als 10jähriger, über seine Teilnahme im Unabhängigkeitskrieg, seine journalistische und politische Laufbahn – sind hinreichend bekannt. (Porträt bei haGalil, Foto: Uri Avnery 2002, © Franziska Werners)

Was ist dieser Mann? Ein Träumer? Ein Wirklichkeitsverdränger? Ein Heilsverkünder leerer Versprechungen? Oder doch ein optimistischer Realist? Der Motor seines Lebens ist das Streben und Glauben an den Frieden, die heute schon beinhah naiv erschienen.

„Es besteht zwischen uns und den Palästinenser eigentlich unglaublich wenig Hass. Wenn man bedenkt, was alles da passiert ist in den letzten 60 Jahren, in den letzten hundert Jahren, da kann man sich eigentlich nur vorstellen, dass so ein tiefer Hass zwischen den beiden Seiten besteht. Besteht aber nicht. Israelis hassen Araber nicht.  Sie haben Angst vor den Arabern und sie habe eine Verachtung für Araber.  Auf der anderen Seite ist es noch viel verwunderlicher.  Alle meine palästinische Freunde waren in israelischen Gefängnissen. Zehn Jahre, fünfzehn Jahre, einer dreiundzwanzig Jahre.  Sie haben alle Hebräisch gelernt in den Gefängnissen, Im Gespräch - Uri Avnerysie kennen Israel gut – und darum, gerade diese Leute , die so viel gelitten haben, sind heute die wichtigsten Befürworter des Friedens mit Israel. Und ich würde sagen: wenn wir zu einem Frieden kommen, zu einem formellen Frieden, dann wird der wirkliche Frieden – der auf einer tieferen Ebene, auf der Ebene der Völker, der Menschen zustande kommen muß –meiner  Ansicht nach sehr schnell kommen. In diese Hinsicht bin ich sogar sehr optimistisch.“

Aus Anlass seines 85. Geburtstages traf Renata Schmidtkunz den ehemaligen Abgeordneten zum israelischen Parlament zu einem sehr lesenswerten Gespräch in Tel Aviv.

Renate Schmidtkunz, Im Gespräch – Uri Avnery, „Ich hoffe und glaube, dass ich den Frieden noch erlebe“, Mandelbaum verlag 2009, 64 S., Euro 15,00, Bestellen?

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