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Der grüne Prinz

Der heute 32 Jahre alte Mosab Hassan Yousef hat mit seinem Buch „Sohn der Hamas, Mein Leben als Terrorist“ einzigartige Einblicke in mehrere nahöstliche Welten der Finsternis geliefert. Er ist in einem palästinensischen Dorf als Sohn eines frommen Moslems aufgewachsen, der 1986 zu den Gründern der Hamas-Bewegung in Hebron zählte…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 31. Juli 2010

Als „Sohn von“ erhielt er Zugang zur palästinensischen Führungsspitze, bei der Hamas wie bei Arafat. Als Kind betätigte er sich als Steinewerfer, kam mehrmals in israelische Gefängnisse, wo er übel gefoltert wurde. Durch Kontakte mit Christen begann er die Bibel zu lesen. Dabei prägten ihn eigentlich „banale“ Verse, die Jesus aus der jüdischen Bibel zitierte und als ewige Wahrheit auch in den Koran Eingang fanden, so das Gebot: „Du sollst nicht Morden“.

Yousef ließ sich 1996 vom Schin Beth, dem israelischen Inlands-Geheimdienst, „umdrehen“ und wurde Agent unter dem Decknamen „Grüner Prinz“. Er hatte Zugang zu den schlimmsten palästinensischen Terroristen, Drahtziehern und Selbstmordattentätern. Er deckte Männer auf, die dutzende Menschenleben auf dem Gewissen hatten, fand Flüchtige und verhinderte nach eigenen Angaben dutzende Anschläge, darunter auch auf Außenminister Schimon Peres.

Yusef könnte ein Hochstapler sein. Einige seiner Geschichten klingen einfach zu unwirklich. Vieles muss als seine subjektive Sicht verstanden werden und nicht als absolute Wahrheit. Doch wer die Intifada verfolgt hat, manche der von Yusef genannten Figuren kennt, ihr Wirken erlebt hat und dann auch noch sehen konnte, wie der israelische Geheimdienst nach Jahren Massenmördern auf die Spur kommt, sie tötet oder verhaftet, erhält durch diesen „Kollaborateur“ überraschende Einblicke. So beschreibt Yousef einfühlsam die fremde Welt palästinensischer Islamisten und wie ihre Ideologie zu noch mehr Mord und Todschlag führt, keinesfalls aber zu Frieden. Glaubhaft schildert er die unmenschlichen Methoden, mit denen israelische Soldaten und Gefängniswärter mit ihren Gefangenen umgehen. Doch Yousef erlebt auch, wie Komitees der Hamas in israelischen Gefängnissen noch viel grausamer ihre eigenen Leute foltern. Mit vielen spannenden Details beschreibt er das Netz von Kollaborateuren, Verrätern und Agenten, mit dem die Israelis Terrorzellen ausheben, und sie trickreich sogar mit Sprengstoff versorgten, um die Drahtzieher zu fassen und dann allesamt rechtzeitig verhaften oder töten. Gleichzeitig schildert Yousef die Korruption und den Terror, der teilweise von Arafat persönlich und anderen als „Friedenspolitiker“ bekannten Palästinensern ausging, darunter Marwan Barghouti. Manche Details mögen nicht ganz korrekt sein, doch vieles lässt sich nachprüfen und erklärt im Nachhinein so manche Ungereimtheiten, wer dahinter steckte und wie sie zustande kamen. Palästinenser wie Israelis gehen in ihrem gegenseitigen Kampf mit vielen Tricks vor. Yousef beweist, dass es da keine Schwarz-weiß Malerei gibt.

Auch für vermeintliche Kenner des Nahen Ostens ist das Buch von Wert. So berichtet Yousef von der Gründung der Hamas bei einem Geheimtreffen in Hebron 1986, an dem auch sein Vater teilgenommen hatte. Der Mythos, dass Israel die Hamas gegründet habe, um einen Teil der Palästinenser gegen Arafats PLO auszuspielen, wird von Yousef nicht einmal erwähnt, ist aber aufgrund seiner Darstellungen auszuschließen. Das Kapitel über den Ausbruch der zweiten Intifada im Herbst 2000 wirft fast unbekanntes Licht auf die Abfolge der Ereignisse. Nicht der Besuch von Oppositionschef Ariel Scharon auf dem Tempelberg löste die blutige Schlacht aus, die Tausenden Israelis und Palästinensern das Leben kosten sollte. Yousef beschreibt anhand nachprüfbarer Fakten, wie dieser Aufstand Monate im Voraus vorbereitet worden war.

Besonders eindringlich sind die Beschreibungen, wie „die Palästinenser ebenso von ihren eigenen Anführern unterdrückt werden, wie von Israel“. Selbst ein Ende der israelischen Besatzung oder die Errichtung eines palästinensischen Staates würden keinen Frieden und schon gar kein Ende des Terrors garantieren, wenn nicht zuvor Korruption, Machtsucht und vor allem die mörderischen Ideologien ausgeschaltet würden.

Inzwischen getauft, wurde er von seiner Familie verstoßen, gilt bei seinem Volk als Verräter, beendete die Zusammenarbeit mit Israels Geheimdienst und zog in die USA, wo ihm politisches Asyl zuerkannt wurde. Dort schrieb er auf, was normalerweise Jahrzehnte lang in geheimen Staatsarchiven unter Verschluss gehalten wird.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com

Sohn der Hamas: Mein Leben als Terrorist von Mosab Hassan Yousef, Verlag: SCM Hänssler, 272 Seiten, Euro 22,95, Bestellen?

2 comments to Der grüne Prinz

  • Baruch Zion

    @Jane

    das sollte sie unbedingt lesen Jane, denn das ist die wirkliche Realität im Nahen Osten und nicht wie sie es gerne hätte.
    Wo die Palästinensischen Araber nur arme Opfer und alle Unschuldig sind!

  • efem

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    @Baruch: Eigentor.
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    Beispiel: Jane hat immer wieder mal auf die eines demokratischen Rechtsstaates wie Israel mehr als  unwürdige Behandlung von Gefangenen, ja sogar vielen Kindern, hingewiesen. worauf du und andere keine andere Antwort hatten, als dass das typisch israelfeindliche Behauptungen und natürlich antisemitischer Denke entsprungen seien. Und was sagt Sahm in dieser Rezension des Buches?

    „Als Kind betätigte er sich als Steinewerfer, kam mehrmals in israelische Gefängnisse, wo er übel gefoltert wurde.“
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    „Glaubhaft schildert er die unmenschlichen Methoden, mit denen israelische Soldaten und Gefängniswärter mit ihren Gefangenen umgehen.“ (unbeschadet dessen, dass die terroristische Hamas noch „besser“ darin ist).
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    Das soll Jane also lesen. Ich schätze, das tut sie auch ohne deine Aufforderung. Und wenn aber sie dann eventuell daraus hier zitiert, etwa aus dem zu dem oben gehörenden O-Text im Buch, heißt es von dir bestimmt wieder im Kern: halt die Klappe, olle Antisemitin, stimmt ja garnicht, usw. Ohne, as usual, auf die Aussage überhaupt einzugehen.
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    „Und also schleßt er messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf!“ (Morgenstern)
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    Wär ja wirklich erstrebenswert, wenn sowas (auf beiden Seiten) nicht mehr vorkäme, das wünscht doch letztlich jede/r, die/der allen Mitmenschen, dazu zählen folgerichtig  „die da unten“, freundlich gesinnt ist, gerade auch speziell auf Israel bezogen wegen seiner andauernd gefährdeten Reputation und Wahrnehmumg in der Welt.
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    efem