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Jiddisch im Rheinland

Von schickerne Schicksen und meschuggene Malocher…

Jiddisch im RheinlandDer rheinische Dialekt, in all seinen verschiedenen Ausprägungen, basiert auf einer jahrhundertelangen Verschmelzung diverser Einflüsse: Römer, Kelten, Germanen, Franzosen, Niederländer und Polen hinterließen deutliche sprachliche Spuren. Obwohl die Bewohner des Rheinlandes stolz auf dieses bunte Erbe sind, belegt es doch ihr vermeintlich tolerantes Wesen, wird eine wichtige Quelle, die prägend für ihr Idiom war, oft ausgespart – das Jiddische! Dabei genügt schon ein kurzer Blick ins rheinische Wörterbuch, um eine ganze Reihe von Ausdrücken aus dem Jiddischen zu entdecken, wie etwa malochen, Ische, schicker, Reibach, acheln oder Dalles.

Die jiddische Sprache entstand im 10. Jahrhundert mit der Zuwanderung von Juden aus Frankreich, Italien, aber auch aus Böhmen, in die Städte am Rhein. Diese Menschen sprachen eine jüdische Variante des Altfranzösischen mit starken Einflüssen aus dem Hebräischen. Als sogenannte Komponentensprache nahm das Jiddische anschließend Wortschatz, Grammatik und Satzbau aus der deutschen Sprache mit auf. Später, nach der Vertreibung der Juden infolge der Kreuzzüge und der damit verbundenen Pogrome, und der Flucht nach Osteuropa, kamen viele slawische Begriffe hinzu; die beiden Sprachzweige, West – und Ostjiddisch waren geboren. Die Unterschiede zwischen den Idiomen finden sich insbesondere in der Phonetik, der Syntax und den aufgenommenen Lehnwörtern. Im Unterschied zum Westjiddischen, das schon lange untergegangen ist, entwickelte sich das Ostjiddisch zur Alltagssprache der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa. Obwohl diese „lingua franca“ durch die Shoa nahezu vernichtet wurde, sprechen heutzutage noch rund eine Million Menschen Jiddisch. Doch die Tendenz ist steigend – viele junge Juden wollen wissen, wo die Wurzeln ihrer Eltern und Großeltern liegen, sie lernen und entwickeln die Sprache weiter: Email heißt zum Beispiel „Blitzpost“!

Im Sommer 2012 veranstaltete der Landschaftsverband Rheinland eine Tagung, um sich auf die Spuren des Jiddischen in der Region zu begeben. Hochkarätige Wissenschaftler untersuchten die Herkunft und Varianten des Jiddischen, erklärten die Begriffe, die Aufnahme in die rheinischen Dialekte fanden, und entzauberten manchen Mythos von scheinbar aus dem Jiddischen stammenden Redewendungen.

Während beispielsweise Roland Gruschka (Heidelberg) die Geschichte des Westjiddischen an Rhein und Main darstellte, durchleuchtete sein Kollege Klaus Siewert (Münster) die Hebraismen in den deutschen Sondersprachen. Heinz Menge (Bochum) und Peter Honnen (Bonn) stellten in ihren Beiträgen die Unterschiede zwischen dem Jiddischen im Ruhrdeutschen und in den rheinischen Mundarten vor. Und ergänzend würdigten Elisabeth Hollender (Frankfurt/Main) und Erika Timm (Trier) die jüngsten archäologischen Funde in Köln, die einen aufschlussreichen Einblick in die Alltagssprache der Kölner Juden im Mittelalter geben.

Die Vorträge liegen nun in Buchform vor. Ein hochinteressanter, erhellender und von den Herausgebern fachkundig edierter Band zur deutsch-jüdischen Sprach- und Kulturgeschichte. (jgt)

Monika Grübel/Peter Honnen (Hg.), Jiddisch im Rheinland. Auf den Spuren der Sprachen der Juden, Essen 2013, 191 Seiten, 14,95 €, Bestellen?

1 comment to Jiddisch im Rheinland

  • Hallo,interessante Geschichte 😉

    Ich habe eine Weile im Rheinland gelebt und muss sagen das dort das jiddische sehr lebendig und alltäglich ist.

    Im Rheinland hört man häufiger : Lass uns Tacheles sprechen.

    Oder :

    Was für ein Schlamassel.

    Oder :

    Da haben wir aber Massel gehabt usw.

    Die Jiddischen Einflüsse sind nach wie vor stark vorhanden.

    lg