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Jüdisches Leben in Pößneck

Im Jahre 2013 veröffentlichte der aus Ranis stammende und in Pößneck seit vielen Jahren politisch gegen Rechtsextremismus und für mehr Demokratie, Toleranz und Zivilcourage tätige Autor Philipp Gliesing mit Hilfe der Stadt Pößneck und des Vereins Alternativer Freiraum Pößneck e.V. eine Dokumentation, deren Erscheinen in seiner Heimatwohl als Novum angesehen werden kann…

Von Israel Schwierz

Nach einer Einleitung des Verfassers stellt dieser in den ersten Seiten seines Werkes Spuren jüdischen Lebens im Mittelalter und anschließend die Geschichte der jüdischen Gemeinde Pößneck um 1900 sowie jüdische Kinder von Pößneck sehr anschaulich in Wort und Bild dar.

In einem zweiten Kapitel erfährt der Leser sehr viel Interessantes über die in Pößneck ansässigen jüdischen Familien und ihre Schicksale: die Färberei und Wäscherei Alex Benjamin, das Modewarengeschäft Walter Berent, den Kaufhausinhaber David Binder, den Inhaber der Rohprodukte/Felle Harry Falkenstein, den Steuerberater Willi Hess, den Schuhwarengeschäftsinhaber Hermann Katz, Verlagsdirektor Adolf Mayer und Bücherrevisor Leo Schorr. Auch die Leiden der wegen„Rassenschande“ verfolgten Familien Trabert und Hahn werden dargestellt.

Das dritte Kapitel hat die Zeit des Nationalsozialismus in Pößneck zum Inhalt: nicht nur die Anfänge, Wahlerfolge, Säuberungen und die Gleichschaltung der Kommune wird eindrucksvoll dargestellt, sondern auch der Kirchenkampf, der immer stärker werdende Antisemitismus, die Arisierung, die Pogromnacht 1938 und die Mobilmachung für den Krieg.

In einem vierten Kapitel macht der Autor den Leser sehr anschaulich mit der Erinnerungskultur in seiner Heimatstadt bekannt: den Gedenkorten in der Stadt – dem Friedenspfahl, der Todesmarsch-Stele und dem Textilarbeiterdenkmal, aber auch dem Epitaph als Erinnerung für die ermordeten Juden aus Pößneck in der Jüdeweiner Kirche sowie dem Gedenkbuch für die Opfer von Krieg- und Gewaltherrschaft in der Stadtkirche, ferner mit dem Kunstwerk „Weiße Rose aus braunem Grund“ im Garten des Evangelischen Gemeindezentrums , der Geschwister-Scholl-Straße und den in Pößneck verlegten „Stolpersteinen“ für die durch die Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Bürger.

Ein Literaturverzeichnis und eine Aufstellung der Fundstellen in Archiven und Datenbanken schließen diese in Wort und Bild hervorragend gestaltete Dokumentation harmonisch ab.

Dem Autor ist es nicht nur gelungen, die jüdische Geschichte der Stadt von ihrem Anbeginn bis zu ihrem Ende, aber auch die Zeit der NS-Herrschaft und die heutige Erinnerungskultur in Wort und Bild sehr anschaulich darzustellen, er hat durch sein Werk den vertriebenen und ermordeten Bürgern Pößneck’ s auch ein ewiges Denkmal gesetzt. Dafür gebühren ihm Dank und Anerkennung aller, denen der ehrliche Umgang mit der Vergangenheit ihrer Thüringer Heimat ein Herzensanliegen ist.

Philipp Gliesing: „JÜDISCHES LEBEN IN PÖßNECK – Ein Wegweiser für Erinnerung, Verständigung und Zivilcourage“, Backnang 2013

Die Dokumentation ist kostenlos erhältlich bei der Stadt Pößneck/Thüringen , Breite Straße 18, D-07381 Pößneck, Email: stadtinfo(at)poessneck.de, oder beim Autor selbst: philipp(at)gliesing.de

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