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Das Verhältnis der Linken zum Judentum: Begrenzter Universalismus

Ein moralisches Kernproblem ist der linke Universalismus, bzw. das Aufgeben desselben. Die sozialdemokratische Abwendung vom marxistischen Klassenkampf-Universalismus hin zu nationaler Politik führte zu einer Offenheit gegenüber einer prozionistischen Haltung, die auch antiarabische Elemente enthalten konnte. Die kommunistische Abwendung von Klassenkampf-Universalismus während seiner jeweiligen nationalen Implementierung führte zu vorübergehendem manifestem Antisemitismus.

Peter Ullrich, Begrenzter Universalismus — Sozialismus, Kommunismus, Arbeiter(innen)bewegung und ihr schwieriges Verhältnis zu Judentum und Nahostkonflikt

Doch auch damit ist das Problem noch nicht ausreichend geklärt. Denn die Darstellung des blind spot Antisemitismus der marxistischen Arbeiter(innen)bewegung auch in ihren nicht antisemitischen Phasen zeigt, dass auch die spezifischen Füllung des Universalismusbegriffs zentral ist. Der marxistische und klar internationalistische Sozialismus war zwar nicht antijüdisch, aber auch eben schon blind. Hier zeigt sich, dass sein um Klassenkampf zentriertes Weltbild nur vorgab, auch die Jüdinnen und Juden sowie ihre partikulare Verfolgung mit zu erfassen.

Auschwitz, aber auch der Stalinismus haben gezeigt, wie sehr diese Annahme fehl schlug. Da dieses Erbe der sozialistisch-kommunistischen Geschichte auch heute noch seine deutlichen Spuren in Teilen der Linken hinterlassen hat, ist weiter zu fragen, welchen Universalismus eine linke Politik braucht, die die Emanzipation aller Menschen und den Kampf gegen Unterdrückung aller Gruppen zum Inhalt haben will.

Ein Klassenkampfuniversalismus ohne zumindest eine Anreicherung um einen ernstgemeinten Menschenrechtsbegriff hat die notwendigen Voraussetzungen offensichtlich nicht, vielmehr hat er sein Versagen auch bei jüdischem partikularen Leid unter Beweis gestellt.

(Auszug aus dem Schlusskapitel)

Der Autor, Peter Ullrich, geb. 1976, ist Soziologe und Kulturwissenschaftler. Er promovierte 2003-2007 in Berlin und Leipzig zum Thema „Die Linke, Israel und Palästina. Diskursive Gelegenheitsstrukturen und die linken Nahostdiskurse in Grossbritannien und der Bundesrepublik Deutschland“. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die NS-Erinnerung, Soziale Bewegungen, Methoden der qualitativen Sozialforschung, Diskursanalyse, (Video-)Überwachung. Peter Ullrich ist derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter der selbständigen Abteilung für Sozialmedizin am Universitätsklinikum Leipzig in einem Projekt zu Berufsbiographien von Psychoanalytker(innen) nach dem Nationalsozialismus.

Weitere Hinweise: http://peterullrich.twoday.net

Siehe auch die Rezension von Peter Nowak

Ersch. 2007 / 50 Seiten, bei AphorismA, in der Reihe Kleine Texte 26
Begrenzter Universalismus 5.00 EUR

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