Kategorien / Themen

Werbung

Neben Psychoanalyse und Psychopharmakologie: Platz schaffen für eine neue Medizin der Emotionen

David Servan-SchreiberDavid Servan-Schreiber, französischer Neurowissenschaftler und Psychiater, erhielt seine wissenschaftliche Ausbildung in Amerika, wo er bei dem Nobelpreisträger Herbert Simon promovierte. In Pittsburgh gründete er das „Center for Complementary Medizin“, das er bis heute leitet.

Er stellt hier sieben wissenschaftlich überprüfte Methoden vor, die das „emotionale Gehirn“ und seine Selbstheilungskräfte mobilisieren. Sein Buch schuf damit die Grundlagen einer neuen „Medizin der Emotionen“, die vor allem den Zivilisationskrankheiten unserer Zeit, Angst und Depressionen, aus denen weitere psychische und somatische Störungen resultieren, zu Leibe rückt…

Die Bedeutung, die mit Stress verbundenen seelischen Störungen in der westlichen Gesellschaft zukommt – darunter Depressionen und Angstzustände -, ist allgemein bekannt. Die Zahlen sind alarmierend:

– Klinische Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass hinter 50 bis 75 Prozent aller Arztbesuche vor allem Stress steht“ und dieser in Bezug auf die Sterblichkeit einen grösseren Risikofaktor darstellt als Rauchen.

– Tatsächlich zielt von den Medikamenten, die in den westlichen Ländern am häufigsten eingesetzt werden, die Mehrzahl auf die Behandlung von Störungen ab, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Stress stehen: Antidepressiva, Beruhigungs- und Schlafmittel, Antacida bei Sodbrennen und Magengeschwüren, Mittel gegen Bluthochdruck und solche gegen einen zu hohen Cholesterinspiegel.

– Laut einem Bericht des Observatoire national du medicament stehen die Franzosen seit etlichen Jahren weltweit mit an der Spitze, was die Einnahme von Antidepressiva und Tranquilizern betrifft. Einer von sieben Franzosen schluckt regelmässig ein Psychopharmakon; damit steht Frankreich an der Spitze aller westlichen Länder. Der Verbrauch ist hier sogar um 40 Prozent höher als in den USA. Der Einsatz von Antidepressiva hat sich bei uns im Lauf der letzten zehn Jahre verdoppelt. Zudem zählen die Franzosen zu den grössten Alkoholkonsumenten der Welt; nun ist aber Alkohol ebenfalls eine Methode, um mit Problemen von Stress und Depression zurechtzukommen.

Während diese Probleme also stetig zunehmen, stellen die Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks, die unter ihnen leiden, die Eckpfeiler der traditionellen medizinischen Behandlung von Gefühlen in Frage: die Psychoanalyse einerseits, die Verschreibung von Medikamenten andererseits. Laut einer Harvard-Studie aus dem Jahre 1997 bevorzugt die Mehrheit der Amerikaner so genannte alternative und komplementäre Methoden gegenüber Medikamenten oder einer traditionellen Analyse, um ihre Leiden zu lindern.

Die Psychoanalyse verliert an Boden. Nachdem sie dreissig Jahre lang die Psychiatrie dominiert hatte, verliert sie in der Öffentlichkeit wie auch bei Spezialisten immer mehr an Glaubwürdigkeit, da sie es versäumt hat, einen Beweis ihrer Wirksamkeit zu erbringen. Jeder von uns kennt jemanden, der aus einer analytischen Behandlung grossen Nutzen gezogen hat, doch wir kennen auch viele andere, die sich seit vielen Jahren auf ihrer Couch hin und her wälzen. Da keine wissenschaftlichen und quantifizierbaren Kriterien existieren, ist es sehr schwierig, einem Patienten, der unter einer Depression oder Angstanfällen leidet, mit Genauigkeit zu sagen, wie hoch die Chancen sind, dass sich sein Zustand durch eine Psychoanalyse bessert. Da konventionelle Psychoanalytiker oft erklären, eine Behandlung könne mehr als ein halbes Jahr, wenn nicht sogar Jahre dauern, und dass sie oft mehr kostet als ein neues Auto, versteht man die Zurückhaltung potenzieller Patienten. Zwar werden die grundlegenden Prinzipien dieser „Redekur“ nicht wirklich in Frage gestellt, aber schliesslich ist es ganz normal, dass jeder in einer solchen Situation nach Alternativen fragt.

Der andere Weg, der bei weitem am häufigsten eingeschlagen wird, ist der der neuen, als biologisch bezeichneten Psychiatrie: Sie arbeitet hauptsächlich mit Psychopharmaka, etwa Fluctin (Prozac), Zyprexa, Zoloft, Seroxat, Adumbran, Tavil, Tavor, Hypnotex und so weiter. In den Medien wie auch in der Welt der Literatur bleibt die Psychoanalyse das vorherrschende Bezugssystem, da sie ein auf alle menschlichen Phänomene anwendbares Interpretationsraster liefert, ob man nun davon überzeugt ist oder nicht. In der tagtäglichen medizinischen Praxis jedoch dominieren Psychopharmaka, wie der Bericht des Observatoire national du medicament zeigt, nahezu uneingeschränkt. Der Reflex, zum Rezeptblock zu greifen, ist mittlerweile derart verbreitet, dass eine Patientin, die bei ihrem Arzt in Tränen ausbricht, beinahe mit Sicherheit ein Antidepressivum verschrieben bekommt.

Psychopharmaka können unglaublich hilfreich und wirksam sein. Gelegentlich so wirksam, dass manche Autoren wie Peter Kramer in seinem Bestseller „Glück auf Rezept“ eher von einer Umwandlung der Persönlichkeit als von einer schlichten Linderung der Symptome sprechen. Wie alle praktizierenden Ärzte meiner Generation setze auch ich sie häufig ein. Doch im Gegensatz zu Antibiotika, die Infektionen heilen, wirken, wie immer mehr Untersuchungen beweisen, psychiatrische Medikamente nicht mehr, sobald man die Behandlung damit abbricht. Aus diesem Grund wird die Mehrheit der Patienten, die solche Medikamente einnehmen, länger als ein Jahr behandelt, und eine grosse Zahl erleidet nach Absetzen der Medikamente einen Rückfall. So hat beispielsweise eine an der Universität Harvard durchgeführte Untersuchung einer auf die Behandlung mit Psychopharmaka spezialisierten Arbeitsgruppe gezeigt, dass die Hälfte der Patienten nach Absetzen eines Antidepressivums innerhalb eines Jahres erneut entsprechende Symptome aufwiesen. Die Medikamente, selbst die wirksamsten, sind also bei weitem kein Allheil- oder Wundermittel für die emotionale Gesundheit. Im Grunde wissen die Patienten dies sehr wohl und nehmen sie daher bei Problemen, die Teil des Lebens eines jeden sind – ob es sich nun um einen Trauerfall oder um Stress in der Arbeit handelt -, oft nur widerwillig ein…

Auszug aus „Die neue Medizin der Emotionen“ von David Servan-Schreiber
[BESTELLEN?]

Emotionale Gesundheit – ohne Psychoanalyse und Psychopharmaka

Dr. Frank Meyer, Herausgeber von „selbstregulation.de“, bei amazon.de

Nach dem Medizinstudium hatte der französische Psychiater David Servan-Schreiber über mehr als 10 Jahre neurowissenschaftliche Grundlagenforschung in den USA betrieben, Dutzende von Artikeln in angesehenen Fachzeitschriften publiziert und bei einem Nobelpreisträger promoviert. Was zunächst aussieht wie eine akademische Bilderbuchkarriere, nahm eine besondere Wendung, als Servan-Schreiber in Indien einem tibetischen Arzt begegnete.

Der Tibeter, der die uralte, dem Ayurveda verwandte Heilkunst seiner Heimat praktizierte, wies den Neurowissenschaftler, der bisher nur das Gehirn betrachtet hatte, darauf hin, dass seelischen Erkrankungen meistens ein gestörtes Gleichgewicht im Körper zugrunde liegt. Deshalb betrachten die tibetischen Ärzte auch bei einer Depression oder Neurose die Zunge und den Urin, tasten die Pulse an den Handgelenken und versuchen, die körperlichen Vorgänge beispielsweise durch Diätmassnahmen und pflanzliche Mittel wieder in Balance zu bringen. Auch wurde Servan-Schreiber auf spektakuläre Erfolge alternativer Behandlungsweisen im Westen aufmerksam.

Als Wissenschaftler hat er seine Beobachtungen mit den neuesten Forschungsergebnissen in Einklang gebracht. Dabei entdeckte er, dass Emotionen und Körpervorgänge von den selben Bereichen in Gehirn kontrolliert werden, die im „limbischen System“, dem „emotionalen Gehirn“ zusammen laufen.

In seinem Buch stellt David Servan-Schreiber eine Reihe von ganzheitlichen Methoden vor, die eine Harmonisierung der körperlichen und seelischen Funktionen bewirken und daher auch bei schweren Erkrankungen wie Depressionen eine erfolgreiche Behandlung ganz ohne Psychoanalyse und Psychopharmaka ermöglichen.

Im einzelnen handelt sich um die sog. „Herzkohärenz“ (Harmonisierung von Herzschlag und Atmung), die Neuroemotionale Integration durch Augenbewegungen (EMDR), die Regulierung des biologischen Tagesrhythmus durch Sonnenaufgangssimulation, die Akupunktur, Nahrungsergänzung (Omega-3-Fettsäuren), die Bedeutung der Körperbewegung („Adidas statt Xanax“) und das Erlernen von Techniken der emotionale Kommunikation.

Das Verbindende aller dargestellten Methoden ist, dass für sie profunde wissenschaftliche Grundlagenforschung und überzeugende Wirksamkeitsnachweise existieren. Es gibt unzählige Bücher über traditionelle und alternative Heilweisen, Yoga, Meditation, gesunde Ernährung und andere Möglichkeiten der Selbsthilfe. Aber nur wenige Publikationen zeigen die Bedeutung dieser Methoden so überzeugend vor den Hintergrund des gegenwärtig sich vollziehenden Wandels der medizinischen Kultur hin zu einer wissenschaftlich begründeten, integrativen Medizin unter Einbeziehung von unkonventionellen, komplementären naturheilkundlichen und spirituellen Ansätzen auf. Ein wirklich bahnbrechendes, revolutionäres Werk, das seine spannenden Inhalte gut verständlich und umfassend dokumentiert vermittelt.

[BESTELLEN?]

Abdruck nur nach Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1 comment to Neben Psychoanalyse und Psychopharmakologie: Platz schaffen für eine neue Medizin der Emotionen