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Alltag im Gelobten Land

Ulrich W. Sahm, als Nahost-Korrespondent Zeitungslesern und Fernsehzuschauern, sowie den Lesern von haGalil in Deutschland, Österreich und der Schweiz bekannt, berichtet seit 1970 in Bild und Text aus Jerusalem. Nun ist bei Vandenhoeck & Ruprecht ein Buch von ihm erschienen, bei dem der Leser tief in den israelischen Alltag blicken kann…

Von Andrea Livnat

So einige Nahost-Korrespondenten haben über das Land, aus dem sie berichten, geschrieben. Dabei steht meistens der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern im Vordergrund. Anders das Buch von Uli Sahm, der den Leser auf eine ganz persönliche Art und Weise, genau wie auch in zahlreichen seiner Artikel, anspricht. Dennoch fehlt es dem Buch nicht an faktenreichen Berichten zu Land und Leuten.

In einem autobiografischen Vorwort zeichnet Sahm seinen Weg nach Jerusalem nach. Sahm, Sohn des bekannten deutschen Diplomaten Dr. Ulrich Sahm, wuchs unter anderem in London und Paris auf. Nach dem Abitur reiste er zum ersten Mal nach Israel, um danach in Köln Judaistik zu studieren. 1970 setzte er sein Studium in Jerusalem fort und lebt bis heute dort.

Seine Korrespondententätigkeit zeichnete sich von Beginn an durch seine Insiderperspektive aus. Henryk M. Broder erinnert sich in seinem Geleitwort daran, dass ihm, als er Sahm 1981 kennenlernte, zweierlei auffiel: „Dass er nicht nur Hebräisch sprechen und lesen konnte, sondern darüber hinaus wirklich eine Ahnung von dem Land hatte; und dass er sogar im Jerusalemer Winter, der extrem streng sein kann, Sandalen trug.“

Das Buch lässt die ganze Bandbreite der Themen passieren, mit denen Sahm als deutscher Nahost-Korrespondent zu tun hat, darunter etwa „Terror in Jerusalem“, „Die Mauer“ oder auch „Deutsche Nahostpolitik“. Das letzte Kapitel widmet sich einer privaten Leidenschaft von Ulrich Sahm, dem Kochen. Und es ist nicht nur zu empfehlen, wenn man ein gutes Rezept für Gefillte Fisch sucht oder wissen will, was ein plattgedrücktes Hühnchen im Kräuterkleid ist.

Gegenseitiger Respekt und Humor sind die Grundpfeiler nicht nur von diesem Buch, sondern von Ulrich Sahms Arbeit im Allgemeinen. Wer Israel kennenlernen oder neue Seiten eines scheinbar bekannten Landes entdecken will, dem sei das reich illustrierte Buch ans Herz gelegt. Wer sich darauf einlässt, wird Ulrich Sahms nachdenkliche Schlussworte verstehen: „Nach vielen Jahren in Nahost habe ich gelernt, dass nichts wirklich so ist, wie es zu sein scheint. Es gibt keine lineare Entwicklung, sondern eher eine Folge von immer neuen Zerreißproben mit ungewissem Ausgang.“

Ulrich W. Sahm: Alltag im Gelobten Land. Mit einem Geleitwort von Henryk M. Broder
Vandenhoeck & Ruprecht 2010, 240 Seiten mit 90 Abb., kartoniert, 19,90 € [D], Bestellen?
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