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Judentum und Israel
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Alexandra Kurt (Hg.):
Insel der Aufklärung. Israel im Kontext
NBKK, Schriften zur politischen Bildung, Kultur und Kommunikation e.V. Giessen
Band 3, September 2005
Euro 12,00

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Weitere Informationen:
www.nbkk.de

Israel im Kontext:
Insel der Aufklärung

Rezension von Karl Pfeifer

Als Reaktion auf die Ereignisse der Al-Aksa Intifada und des terroristischen Angriffs auf die twin towers gründeten junge deutsche Intellektuelle in Giessen Ende 2001 das Netzwerk ZUR POLITISCHEN BILDUNG, KULTUR UND KOMMUNIKATION (NPKK). Deren Mitglieder sind besorgt über den weltweit zunehmenden Antisemitismus, der immer wieder Israel zur Projektionsfläche macht.

Der von Alexandra Kurth herausgegebene Sammelband "Insel der Aufklärung / Israel im Kontext" ist der dritte Band der Schriften dieses Netzwerkes und tritt diesem "neuen Antisemitismus" energisch mit Argumenten entgegen.

Die Herausgeberin macht schon in ihrem Vorwort darauf aufmerksam, wie voreingenommen die Medien und das Publikum auf die Ereignisse im Heiligen Land reagieren, "dass mindestens 80 Prozent des aus den Autonomiegebieten stammenden Bildmaterials von palästinensischen Crews stammt oder von so genannten palästinensischen Stringers inszeniert wird, die sich ausländische Journalist(inn)en für rund hundert Dollar pro Tag als Fremdenführer, Übersetzer, Interviewarrangeure und security men mieten können... dass mehr als die Hälfte aller Deutschen (51,2 Prozent) der Auffassung ist, dass sich das Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern im Prinzip nicht von dem der Nazis im Dritten Reich gegenüber den Juden unterscheidet, 68,3 Prozent die Meinung vertreten, Israel führe einen Vernichtungskrieg gegen den Palästinenser und 81,9 Prozent Wut empfinden, wenn sie daran denken wie Israel die Palästinenser behandle."

Bei allen politischen und wissenschaftstheoretischen Differenzen eint die Autor(inn)en dieses 232 Seiten umfassenden Bandes – die Mitglieder des Netzwerkes ebenso wie die anderen, die einen Beitrag leisten, der Ärger über derlei antisemitische Ressentiments und Vorurteile. "Das offenbar ansonsten allgemein übliche Diktum, dass diejenigen, welche eine Sache behaupten, sie auch zu beweisen haben, scheint im Falle Israels keine Gültigkeit zu haben. Hier wird auf Belege verzichtet, munter drauf los spekuliert und systematisch jedweder Kontext ausgeblendet."
Im Gegensatz dazu bemühen sich die Autor(inn)en um eine sachliche, differenzierte und gründlich dokumentierte Darstellung, die aber nicht den geschichtlichen Kontext in dem der jüdische Staat entstanden ist vernachlässigt.

Stefan R. Braun zeigt in "Von der Zionssehnsucht zum Staat Israel" die verschiedenen Strömungen des Zionismus auf, die der Formel vom "zionistischen Gebilde" diametral widersprechen.

Samuel Salzborn berührt in "Demokratie im Ausnahmezustand" die verfassungsrechtlichen Probleme eines erst 1948 entstandenen Staates und zeigt auf, dass Ausnahmezustand und staatsrechtliche Stabilität vereinbar sind, wobei dem Obersten Gerichtshof die besondere Verantwortung für den Schutz der bürgerlichen Freiheiten und der Rechtsstaatlichkeit zufällt.

Alexandra Kurth setzt sich mit der Bedeutung des Militärs für Israel auseinander und weist auch auf in Israel viel diskutierte Probleme, wie Frauengleichberechtigung hin. Aufgrund der "tief verinnerlichten generationenübergreifenden Erfahrungen Jahrhunderte langer Verfolgungen während der Diaspora und nicht zuletzt der Shoa... verwundert es kaum, dass die israelische Armee davon ausgeht, dass eine militärische Niederlage die Aufgabe der Existenz zur Folge hätte, die erste und letzte Niederlage zugleich wäre."

Steffen Hagemann beleuchtet in seinem Beitrag "Zurück in die Vergangenheit Israel und die Al-Aksa Intifada" die verschiedenen israelischen und palästinensischen Stellungnahmen. Von zentraler Bedeutung ist dabei, dass es sich bei der Al-Aksa Intifada nicht um einen Aufstand Steine werfender Kinder und Jugendlicher handelt, sondern um terroristische Aktivitäten säkular-nationaler und islamistischer paramilitärischer Gruppierungen, die mehr oder minder ungehindert agieren können, obgleich in den palästinensischen Autonomiegebieten mit einem bewaffneten Polizisten je 50 Bürger/innen die höchste Polizeidichte der Welt herrscht.

Rolf Schleyer stellt die wechselvollen deutsch-israelischen Beziehungen vor dem Hintergrund der deutschen NS-Vergangenheit dar, die das Verhältnis zwischen beiden Staaten prägte und immer wieder auch als Projektionsfläche diente, etwa bei der Identifikation der palästinensischen Flüchtlinge mit den "deutschen Vertriebenen".

Ilka Schröder beschreibt aus der Perspektive einer Abgeordneten des Europäischen Parlaments die EU-Politik gegenüber Israel seit dem Osloer Friedensprozess. Im Zentrum ihrer detaillierten Analyse stehen die Zahlungen der EU an die Palästinensische Autonomiebehörde, insbesondere die Verwendung eines Teils der Gelder zur Finanzierung des Terrors der Al-Aksa Intifada. Ungeachtet dieses nicht unerheblichen Sachverhaltes verhinderte jedoch die Konferenz der Fraktionsvorsitzenden des Europäischen Parlaments die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses.

Joachim Wurst spannt den Bogen von den antijudaistischen und antisemitischen Stereotypen im Übergang zur europäischen Moderne bis in die Gegenwart des arabischen Antisemitismus. Er stellt dar wie sich die antisemitische Vorstellung "von der Nation ohne Juden zum Krieg gegen den jüdischen Staat" entwickelte. Ein Schwerpunkt liegt auf dem gegenwärtigen arabischen Antisemitismus, dessen Praxis des suicide-bombing auf den modernen eliminatorischen Antisemitismus verweise, da die Vernichtung möglichst vieler gerade an einem Ort anwesender Menschen, gänzlich unabhängig ihres gegenwärtigen oder künftigen Verhaltens nicht Mittel zur Erreichung eines wie auch immer gearteten anderen Zieles ist, sondern tatsächlich Vernichtung bezwecke.

Götz Nordbruch zeichnet zentrale Aspekte aktueller "Verschwörungstheorien in der ägyptischer Öffentlichkeit" nach, in denen eine existentielle Konfrontation zwischen der eigenen als homogen wahrgenommenen Gemeinschaft und ihren Feinden – "Juden", "Zionisten", "Freimaurern", "Homosexuellen" oder "Satanisten" – imaginiert wird. Besonders populär ist in Ägypten aber auch in anderen arabischen Staaten, eine Anfang des 20. Jahrhunderts im zaristischen Russland produzierte antisemitische Fälschung die Protokolle der Weisen von Zion.

Der vorliegende Sammelband ist ein wertvoller Beitrag zur politischen Aufklärung und verdient weitgehende Verbreitung.

hagalil.com 27-11-05


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